Hei! Ich bin Katja und komme gebürtig aus Holzminden, einer Kleinstadt in Südniedersachsen, wo ich ziemlich naturnah aufgewachsen bin. Durch mein duales Studium bei einem globalen Unternehmen vor Ort, lernte ich dann auch mal weit über den „Tellerrand“ hinauszublicken. Dieser berufliche Weg führte zunächst zu einem Umzug nach England und in 2019 per Zufall nach Spitzbergen. Während Corona war ich einige Zeit zurück in Deutschland und habe mich dort zur Kaffeeexpertin weitergebildet. Meine wahre Leidenschaft ist und bleibt jedoch die Polarregionen, was mich letztlich zurückführte. Seitdem arbeite ich als Expeditions-Guide in der Arktis und Antarktis, an Land und auch viel auf kleineren Expeditionsschiffen, um die Faszination und Facetten unserer Polargebiete nachhaltig zu zeigen.

Das erwartet dich:
- Über Katja
- Wie genau bist du nach Longyearbyen gekommen?
- Wie war deine erste Zeit dort?
- Wie schwer oder einfach ist es, dort Fuß zu fassen?
- Wie erlebst du das soziale Leben in Longyearbyen?
- Wie sieht dein Alltag in der nördlichsten Siedlung der Welt aus?
- Wie sieht deine Routine während der Mitternachtssonne und der Polarnacht aus? Wie wirken sich diese Extreme auf dich aus?
- Gibt dir die Isolation des Ortes eher ein Gefühl von Freiheit, oder empfindest du sie manchmal als beengend?
- Wie fühlt es sich an, sich eine Insel mit einem der größten Landraubtier der Erde, dem Eisbären, zu teilen?
- Werden Dinge wie Nordlichter, Polartage und Polarnächte irgendwann zur Normalität, oder ist es jedes Mal aufs Neue faszinierend?
- Als Kaffeeexpertin: Wo gibt es in Longyearbyen den besten Kaffee?
- Was kannst du Menschen mit an die Hand geben, die zu Besuch nach Longyearbyen kommen?
Wie genau bist du nach Longyearbyen gekommen?
Die meisten hier auf Spitzbergen hat es mehr oder weniger durch Zufall hierher verschlagen – und so auch mich. Die Chance hat sich geboten und ich habe sie entsprechend genutzt. Die meisten Pläne werden hier unbrauchbar, denn wer plant einen Sommer zu bleiben ist meist noch Jahre später hier und andersrum. Auf einer Dienstreise in die deutsche Heimat, „strandete“ ich in einem Hotel und zufällig war gerade eine Reisemesse in der Nähe, sodass sehr viele interessante Personen auf ein Feierabendbier zusammenkamen. Einer davon schwärmte von Spitzbergen und lud mich zum Glück ein. Gesagt, getan – wenige Wochen später kam ich ohne genaue Vorstellung auf Spitzbergen an und war schockverliebt! Wir gingen auf Schneemobil-Tour, ich sah meinen ersten Eisbären in der Wildnis und genoss das Leben im Ort und die einmalige Lichtstimmung. Zurück in England kam dann der Anruf, ob ich nicht für Spitzbergen Reisen, einen kleinen sehr individuellen Touren-Anbiete vor Ort, arbeiten möchte, wenn es mir doch so gut gefallen hat. Und ob ich das will! So kündigte ich, verkaufte meinen Hausstand und war 6 Wochen später mit zwei Reisetaschen zurück in Longyearbyen!
Wie war deine erste Zeit dort? War es schwer, sich an die besonderen Lebensbedingungen in so einer abgelegenen Siedlung zu gewöhnen?
Das Ankommen in Spitzbergen ist mir gar nicht schwergefallen. Zum einen hatte ich ein fantastisches Team um mich herum, die mir sehr geholfen haben und zum anderen bin ich im Mai angekommen, was sofort den Sprung in die teils hektische Sommer-Saison bedeutet hat. Es gab also viel zu tun, zu entdecken und zu lernen, was mich abgelenkt und beschäftigt gehalten hat. Sicherlich ist die Mitternachtssonne sehr intensiv zu erleben, aber die Extreme zu den Wintermonaten mit Kälte und Dunkelheit wäre sicherlich eine noch größere Umstellung zum vorherigen Leben in England gewesen. Was die Auswanderung nach Spitzbergen tatsächlich bedeutet hat, wurde mir erst nach dem Sommer allmählich bewusst.
Wie schwer oder einfach ist es, dort Fuß zu fassen?
Um anzukommen in Longyearbyen, bedarf es einiges an Eigeninitiative und bestenfalls Unterstützung durch Freunde vor Ort. Gerade Wohnung und Job können zunächst eine Herausforderung sein und bedürfen oft das bekannte Quäntchen Glück – oftmals kommt aber auch beides zusammen, da viele Firmen ihren Mitarbeiten Wohnungen zur Verfügung stellen. Darüber hinaus gibt es bürokratisch nur wenige Hürden und noch einfacher gestaltet es sich mit dem Freundeskreis. Es gibt beispielsweise extrem viele Sportangebote im Ort, wo man sich als Einheimischer entsprechend anschließen kann und neue Kontakte knüpft, aber auch mit Kollegen/innen ist man oft gemeinsam nach Feierabend noch auf Tour. Als kleiner Tipp empfiehlt es sich aber an Personen zu richten, die eventuell einen ähnlichen Zeithorizont hier vor Ort anstreben, damit die Freundschaften auch nachhaltig sind.
Wie erlebst du das soziale Leben in Longyearbyen?
Ich empfinde das soziale Leben in Longyearbyen als recht intensiv – sofern man es möchte. Natürlich gibt es immer die Möglichkeit, sich zurückzuziehen, aber wer sozialen Kontakt möchte, der findet diesen auch.
Angefangen – häufig etwas unfreiwillig – mit dem WG-Leben aufgrund der angespannten Wohnungslage natürlich. Aber darüber hinaus gibt es unzählige Veranstaltungen vom sportlichen, über kulturellen oder mehr künstlerischen, musikalischen Bereich. Da sollte auf jeden Fall für jeden etwas dabei sein!
Wie sieht dein Alltag in der nördlichsten Siedlung der Welt aus? Verändert er sich mit den verschiedenen Jahreszeiten?
Alltag … Ich glaube sowas gibt es hier selten. Einige wenige Berufe bringen das sicherlich mit, aber sobald man im Tourismus beschäftigt ist, muss man absolut flexibel sein. Morgens habe ich eine vage Idee, was ansteht und was ich erledigen möchte, aber häufig kommt es anders als man es eben geplant hat. Das kann manchmal an einem Schneesturm liegen oder gern auch an einem Walross im Hafen, was man sich dann anschaut, wenn man die Chance hat.
Auch die Jahreszeiten bestimmen unseren Rhythmus extrem – im Sommer während der Mitternachtssonne werden es wirklich lange Tage und auch die private Feierabend-Wanderung kann schon mal bis nach Mitternacht gehen (es wird ja eh nicht dunkel), während gerade von Oktober bis Dezember es ein wenig ruhiger angegangen wird. Für mich dann meistens die Zeit, dem Sommer zu folgen und auf Expeditionsschiffen in der Antarktis zu arbeiten. Langweilig wird es auf jeden Fall nie!
Wie sieht deine Routine während der Mitternachtssonne und der Polarnacht aus? Wie wirken sich diese Extreme auf dich aus?
Auf jeden Fall hilft es, sich eine gewissen Tagesroutine anzueignen für die jeweilige Jahreszeit – und das vor allem für die Dunkelzeit während der Polarnacht. Mir hat es geholfen morgens bis zu einer gewissen Zeit aufzustehen, mehrfach die Woche sportlich aktiv zu sein, soziale Kontakte zu pflegen und auch die ruhige Zeit für sich selbst zu nutzen. Für mich bedeutet das dann vor allem, mich weiterzubilden, viel Lesen und neues Wissen aneignen – natürlich zu den verschiedensten Themen in den Polarregionen. Aber da findet jeder seinen eigenen Weg. 😉
Andernfalls kann die Dunkelheit schnell viel Raum einnehmen und zu extremer Müdigkeit und Energielosigkeit führen. Witzigerweise ist es im Sommer zur Mitternachtssonne ähnlich – durch den hohen Grad der Aktivität und der Schwierigkeit dem Körper zu vermitteln, jetzt zur Nacht mal runterzufahren und abzuschalten, führt das für mich auch zu einer Art Erschöpfung. Zum Glück wird diese aber durch so viele tolle Momente ausgeglichen und spätestens in den Herbst-/Wintermonaten kann man sich dann etwas ausruhen und erholen.
Meine Lieblingsmonate sind vor allem August/September und Februar – beides aus fast den gleichen Gründen: das Licht! Während Ende des Sommers dann viel machbar ist bezüglich Wanderungen, kann man schon die ersten Sonnenuntergänge bewundern, wenn der Himmel über unserem Fjord dann feuerorange/-rot am Leuchten ist. Ende Januar kehren die ersten Anzeichen des Tageslichts wieder zurück und im Februar ist die Schneelandschaft und der Himmel dann häufig in die verschiedensten Pastelltöne gefärbt – von kitschig-rosa bis fast lila. Dann unterwegs zu sein mit dem Schneemobil in dieser unendlichen Weite, vielleicht auf der Suche nach einem Berg, wo man die ersten Sonnenstrahlen abkriegen kann, ist einfach einmalig!
Gibt dir die Isolation des Ortes eher ein Gefühl von Freiheit, oder empfindest du sie manchmal
als beengend?
Das entspannte Leben im Ort empfinde ich als sehr befreiend. Es ist einfach sehr entspannt, dass man nichts ständig abschließen muss und seine Sachen ohne Befürchtungen auch mal draußen lassen kann. Es ist für mich eine Art Urverständnis vom Umgang miteinander bei dem man sich einfach vertraut und auch aufeinander schaut und achtet.
Manchmal ist es umständlich, wenn man etwas sehr Bestimmtes bräuchte und es im Ort nicht bekommen kann. Häufig wird dann auf Hilfsbereitschaft zurückgegriffen oder eben anderweitig arrangiert. Und manchmal stellt sich ja auch die Frage, ob man es wirklich braucht oder sich das nur einredet.
Sobald man jedoch den Ort verlässt, geht die Freiheit vor allem einher mit dem Equipment und Wissensstand, den man hat. Es sind einige Sicherheitsmaßnahmen zu treffen bezüglich Eisbärensicherheit, aber auch Kälte, Gletscher, See-Eis, Erste Hilfe, Kommunikation und vieles mehr. Je mehr ich weiß und kann, umso sicherer bin ich unterwegs, und mein Radius erweitert sich entsprechend. Gerade für jemanden wie mich, die sehr selbstständig ist, war es am Anfang schwierig, auf Hilfe und Wissen von anderen zurückzugreifen, aber man lernt schnell, dass man gemeinsam zusammenhält und füreinander da ist.
Wie fühlt es sich an, sich eine Insel mit einem der größten Landraubtier der Erde, dem Eisbären, zu teilen? Fühlst du eine gewisse Anspannung, wenn du außerhalb des Ortes unterwegs bist?
Ich fühle mich nicht angespannt, wenn ich den Ort verlasse – aufgrund der Eisbären. Aber natürlich treffe ich entsprechende Sicherheitsmaßnahmen/ Vorkehrungen und verhalte mich angepasst. Wenn ich draußen unterwegs bin, habe ich immer ein Auge darauf, was um mich herum passiert: Ob es irgendwelche schlecht einsehbaren Bereiche vor mir gibt, stelle sicher, dass wir zum Campen eine Eisbärenwache haben usw. Je nachdem, wie ich unterwegs bin, kann das dann auch sehr unterschiedlich sein – beispielsweise mit dem Schneemobil oder Boot kann ich relativ zügig den Rückzug antreten, während ich bei Wanderungen langsamer unterwegs bin und entsprechend noch vorsichtiger sein muss.
Aber die Hauptsache für mich ist, dass wir den Eisbären nicht in seinem natürlichen Umfeld stören oder gar sein Verhalten beeinträchtigen.
Werden Dinge wie Nordlichter, Polartage und Polarnächte irgendwann zur Normalität, oder ist es jedes Mal aufs Neue faszinierend?
Nie! Zumindest nicht für mich … Ich bin nach wie vor fasziniert von all diesen Naturphänomenen, die ich hier vor Ort erleben darf. Manchmal glaube ich sogar, dass eher das Gegenteil der Fall ist: Eigentlich Normales wird mehr geschätzt und zur Besonderheit, wie beispielsweise das Licht nach der Dunkelzeit oder besonders Bäume, wenn man wieder auf das Festland kommt. Wann hast du das zum letzten Mal wirklich geschätzt!?
Als Kaffeeexpertin: Wo gibt es in Longyearbyen den besten Kaffee? 😉
Natürlich bei mir zuhause oder bei meinen Kollegen von der Svalbardbrenneri, unserer lokalen Kaffeerösterei. Da diese aber leider kein Café haben, ist meine Empfehlung das supergemütliche Huskies-Café – inklusive Huskies, die unbedingt gestreichelt werden wollen.
Was kannst du Menschen mit an die Hand geben, die zu Besuch nach Longyearbyen kommen? Welche Tour kannst du besonders empfehlen?
Unbedingt in kleinen Gruppen oder so individuell wie möglich reisen! Das ermöglicht einfach ein viel intensiveres Erlebnis. Für Expeditionsschiffe bedeutet das bestenfalls unter 100 Gäste an Bord und für Schneemobil-Touren, Wanderungen im Idealfall 6 – 8 Abenteurer.
Am besten einfach bei Spitzbergen Reisen melden (www.spitzbergen-reisen.no), und dann können wir euch ehrlich beraten was für euch am besten passt!
Hier geht’s zur Website und den Socials von Spitzbergen Reisen:
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